Russland profitiert vom öl-boom: sanktionen drehen den markt auf

Moskau profitiert von einem unerwarteten Wendeeffekt am Ölmarkt. Nach anfänglichen Verlusten durch westliche Sanktionen und Produktionskürzungen erzielt Russland nun Höchstgewinne – und das, obwohl die globale Energieversorgung angespannt ist.

Russisches öl wird teurer: eine überraschende kehrtwende

Russisches öl wird teurer: eine überraschende kehrtwende

Die Sanktionen gegen Russland aufgrund des Ukraine-Krieges hatten zunächst zu einem deutlichen Preisverfall für das russische Rohöl Urals geführt. Es wurde mit bis zu 12 Dollar pro Barrel unter dem globalen Referenzpreis North Sea Dated gehandelt. Doch nun hat sich die Situation radikal gewandelt. Der Preis für Urals ist auf etwa 4 Dollar über dem Referenzpreis gestiegen, wie die Analyse des Energieinformationsdienstleisters Rystad Energy zeigt.

Diese Entwicklung ist eng mit den anhaltenden Störungen der Ölversorgung verbunden. Die Unterbrechungen des Schifffahrtsverkehrs im Persischen Golf, insbesondere im Schollengraben von Ormuz, sowie die begrenzte Aufhebung von Sanktionen für einige russische Lieferungen haben das globale Ölangebot reduziert. Die Produktionsausfälle in der Region übersteigen die Kapazitäten der IEA-Reservenfreisetzung deutlich.

„Der globale Ölmarkt kann Schocks nicht mehr so gut absorbieren wie noch vor drei Wochen“, erklärt Paola Rodriguez-Masiu, Chefanalystin für Öl bei Rystad Energy. Die anfängliche Erholung nach dem Beginn des Konflikts im Februar, als die Brent-Futures kurzzeitig auf fast 120 Dollar pro Barrel stiegen, hat sich nicht gehalten.

Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft haben sich seit dem Beginn des Krieges verdoppelt. Von 135 Millionen Dollar pro Tag im Januar stiegen die Exporte auf 270 Millionen Dollar. Dieser „Kriegsgewinn“ stützt den russischen Staatshaushalt, der bereits unter den Folgen der umfassenden Sanktionen leidet. Die russische Wirtschaft wuchs voraussichtlich im Jahr 2025 um 1 %, deutlich weniger als die 4,3 % im Vorjahr.

Auch Präsident Wladimir Putin räumte den außergewöhnlichen Gewinn ein, warnte aber vor übermäßigem Konsum. „Wir müssen Besonnenheit bewahren. Märkte, die heute in eine Richtung bewegen, können morgen in die entgegengesetzte Richtung laufen“, sagte er.

Die Situation ist volatil, und weitere Turbulenzen sind zu erwarten. Die einst vorhandenen Reserven, die den Markt stabilisieren sollten, sind erschöpft. Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Persischen Golf haben die Situation zusätzlich verschärft. Die Kehrtwende zeigt deutlich, wie geopolitische Instabilität die globale Wirtschaft beeinflusst – und wie schnell sich die Kräfteverhältnisse ändern können. Und das, obwohl man noch vor wenigen Wochen von einem Überangebot sprach.