Rakuten tv setzt auf kooperationen: streaming-krieg verschiebt fokus

Die Streaming-Landschaft erlebt eine entscheidende Verschiebung: Während viele Anbieter noch auf Content-Produktion und Abonnentengewinnung setzen, verfolgt Rakuten TV einen radikal anderen Ansatz. Der japanische Konzern positioniert sich als technologische Infrastruktur für das gesamte europäische Streaming-Ökosystem. Eine strategische Allianz mit Prime Video in Deutschland, Spanien und Italien unterstreicht diesen Wandel.

Von b2c zum technologie-hub: rakuten tv krempelt die strategie um

Seit über 15 Jahren bietet Rakuten TV technische Lösungen für die Entwicklung von Apps, Kanälen und die Verbreitung von Inhalten. Der CEO Cédric Dufour betont, dass das Unternehmen seinen Partnern die Komplexität des CTV- und Streaming-Marktes abnehmen will. Die Integration von FAST-Kanälen (Free Ad-Supported Streaming Television) in Prime Video ist ein deutliches Zeichen dieser Entwicklung. Zunächst wird der Kanal „Alerta Cobra“ in Deutschland, Spanien und Italien starten. Dufour sieht das Potenzial des FAST-Modells noch lange nicht ausgeschöpft: Es wächst nicht nur in der Nutzerzahl, sondern auch in der Anzahl der Plattformen, die diese Kanäle anbieten.

Doch Rakuten TV geht über die reine Verbreitung hinaus. Durch das Angebot von Rakuten TV Enterprise, der B2B-Sparte, bietet das Unternehmen eine umfassende Lösung, die Technologie, Werbemöglichkeiten und Content-Kurierung vereint. Diese modulare Struktur ermöglicht es beispielsweise Telekommunikationsanbietern, eigene TVOD-Shops zu integrieren, oder Rechteinhabern, ihre Inhalte über die Werbenetzwerk von Rakuten Advertising zu monetarisieren. Diese Flexibilität ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Fragmentierung als herausforderung, kooperation als lösung

Ein großes Problem für das Wachstum von Connected TV in Europa ist die Fragmentierung des Marktes. Unterschiedliche Regulierungen, Sprachen und Werbeökosysteme erschweren Skalierung. Dufour plädiert für eine stärkere Koordination der Akteure. Das Unternehmen hat deshalb die Initiative LIVE ins Leben gerufen, eine Plattform für über 150 Führungskräfte aus dem CTV-Bereich. Dort soll der CTV Advisory Board entstehen, ein internationales Forum zur Förderung der Zusammenarbeit. Die erste Sitzung findet am 17. März in Madrid statt.

Dufour betont, dass der Werbemarkt im CTV-Bereich durch das Wachstum des FAST-Modells und eine zunehmend ausgefeiltere Werbeausrichtung weiter an Fahrt gewinnen wird. Er sieht hier große Chancen für Content-Anbieter, ihre Reichweite zu erhöhen. Die Entwicklung von besseren Messsystemen und Standards für die Werbewirksamkeit ist dabei eine zentrale Herausforderung. Nur so können Werbekunden im neuen CTV-Umfeld fundierte Entscheidungen treffen.

Rakuten TV positioniert sich nicht als direkter Wettbewerber der großen Streaming-Anbieter, sondern als dessen wichtigster technischer Partner und Vermittler. Das Unternehmen setzt auf eine klare Strategie: Die Infrastruktur für das Streaming der Zukunft zu schaffen. Und das tut es, mit einer Mischung aus technischem Know-how und einem Verständnis für die komplexen Bedürfnisse des europäischen Marktes. Die Frage ist nicht, ob sich das Modell durchsetzt, sondern wie schnell es sich etabliert.